Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse
Sigmund Freud (trans. G. Stanley Hall) · 1920
5,0 · 6 Bewertungen
Über das Buch
Freud spricht vor skeptischem Publikum: erst über Fehlleistungen, dann über Träume und schließlich über Neurosen – jeder Schritt ergibt sich aus dem vorigen. Der zugänglichste Einstieg in die Psychoanalyse, übersetzt von dem Psychologen, der Freud in Amerika bekannt machte.
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Freuds erste Vorlesung beginnt mit einem merkwürdigen Schachzug: Er sagt seinem Publikum, dass er versuchen wird, es vom Wiederkommen abzubringen.
Genau das macht er auch mit seinen Patienten. Die meisten Ärzte spielen die Schwierigkeit einer neuen Behandlung herunter und versprechen Erfolge. Freud macht das Gegenteil: Er legt Dauer, Aufwand und Opfer offen und verspricht nichts, weil das Ergebnis vom eigenen Verständnis und der Ausdauer des Patienten abhängt.
Er behandelt den Hörsaal also genau wie er einen neurotischen Patienten behandelt. Er zählt auf, was der Psychoanalyse im Weg steht, und warnt jeden, der sich davon eine Karriere erhofft, dass Universitäten und Gesellschaft ihm mit Misstrauen und Ablehnung begegnen werden. Wer trotzdem nächstes Mal wiederkommt, fügt er hinzu, ist willkommen. Die Einladung ist echt. Sie kommt nur nach der Warnung.
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Freuds erste Vorlesung beginnt mit einem merkwürdigen Schachzug: Er sagt seinem Publikum, dass er versuchen wird, es vom Wiederkommen abzubringen.
Genau das macht er auch mit seinen Patienten. Die meisten Ärzte spielen die Schwierigkeit einer neuen Behandlung herunter und versprechen Erfolge. Freud macht das Gegenteil: Er legt Dauer, Aufwand und Opfer offen und verspricht nichts, weil das Ergebnis vom eigenen Verständnis und der Ausdauer des Patienten abhängt.
Er behandelt den Hörsaal also genau wie er einen neurotischen Patienten behandelt. Er zählt auf, was der Psychoanalyse im Weg steht, und warnt jeden, der sich davon eine Karriere erhofft, dass Universitäten und Gesellschaft ihm mit Misstrauen und Ablehnung begegnen werden. Wer trotzdem nächstes Mal wiederkommt, fügt er hinzu, ist willkommen. Die Einladung ist echt. Sie kommt nur nach der Warnung.
Die erste Schwierigkeit ist, dass sich die Psychoanalyse nicht zeigen lässt. Ein Medizinstudent sieht das Präparat, die Reaktion, den zuckenden Muskel. In der Analyse „geschieht nichts als der Austausch von Worten zwischen Patient und Arzt".
Dafür entschuldigt sich Freud nicht. Worte waren ursprünglich Magie, sagt er, und sie können einen Menschen noch immer glücklich machen oder in Verzweiflung stürzen. Aber man kann nicht einmal bei diesen Worten dabeisitzen. Der Patient würde vor einem einzigen unbeteiligten Zeugen verstummen, denn was er sagt, ist genau das, was er vor anderen verbirgt – und vor sich selbst.
Wie also soll man jemanden überzeugen? Freuds Antwort ist praktisch: lerne es zuerst an dir selbst. Es gibt ganz gewöhnliche seelische Vorgänge, die jeder kennt und die man im eigenen Leben untersuchen kann. Deshalb beginnen diese Vorlesungen nicht mit Krankheit, sondern mit Fehlleistungen.
Warum kann ein Student laut Freud eine psychoanalytische Behandlung nicht einfach beobachten wie eine Operation?
- Der Patient spricht nur innerhalb einer privaten Beziehung frei und würde vor einem Zeugen verstummen.Richtige Antwort
- Die Methode wird noch geheim gehalten, und Analytiker weigern sich, Außenstehenden ihre Technik zu zeigen.
- Im Gespräch selbst passiert nichts Wichtiges; die eigentliche Veränderung findet später im Körper statt.
- Die Symptome des Patienten verschwinden vorübergehend, sobald Publikum im Raum ist.
Die Analyse braucht genau das, was ein Mensch vor anderen und sogar vor sich selbst verbirgt, und das kommt nur in einer besonderen Beziehung zum Arzt zum Vorschein. Das Hindernis liegt in der Natur des Gesprächs, nicht in einer Geheimhaltung der Methode.
Dann nennt Freud die beiden Behauptungen, die die ganze Welt gegen ihn aufbringen.
Die erste lautet: Seelische Vorgänge sind an sich unbewusst, und die bewussten sind nur einzelne Akte, Teile eines größeren Ganzen. Für gewöhnlich setzen wir „seelisch" und „bewusst" gleich, deshalb klingt das nach Unsinn oder nach einer Mysteriensekte, die im Trüben fischt. Freud beharrt darauf, dass es kein Streit um Worte ist, sondern eine neue Art, in der Welt zu stehen.
Die zweite lautet: Sexuelle Triebregungen, im engeren wie im weiteren Sinn, spielen bei Nervenkrankheiten eine große Rolle – und haben zugleich die höchsten kulturellen Leistungen genährt.
Er erklärt sogar, warum sich gegen beides Widerstand regt. Die Menschen halten eine unangenehme Idee erst für unwahr und suchen erst danach nach Argumenten dagegen.
Freud vertrat die Ansicht, dass seelische Vorgänge an sich unbewusst sind und bewusste Gedanken nur einzelne Teile des Seelenlebens sind.
WahrRichtige Antwort
Das ist die erste der beiden Behauptungen, die laut Freud alle Welt kränken. Er beschreibt das Unbewusste nicht als kleinen Keller unter einem bewussten Haus; er sagt, das Bewusstsein sei die Ausnahme – wenige Akte innerhalb eines Seelenlebens, das an sich unbewusst ist.
Freud beginnt mit Dingen, die jedem gesunden Menschen passieren: das falsche Wort sagen, etwas schreiben oder lesen, das gar nicht dasteht, sich verhören, für einen Moment einen vertrauten Namen vergessen, den Schlüssel verlegen.
Er hört den Einwand schon kommen. Wo doch noch Halluzinationen und Wahnvorstellungen auf eine Erklärung warten – wozu eine ganze Stunde auf eine Haushälterin verwenden, die ihren Schlüssel verloren hat?
Seine Antwort: Er fragt, wie man wichtige Dinge überhaupt erkennt. Ein junger Mann wartet nicht auf eine Erklärung, um zu wissen, dass eine Frau ihn mag – ein Blick, eine Geste, ein Händedruck, der eine Sekunde zu lange dauert, genügt. Ein Detektiv erwartet nicht, dass der Mörder sein Foto und seine Adresse am Tatort zurücklässt. Große Dinge verraten sich durch unscheinbare Zeichen, und eine Wissenschaft, die die Kleinigkeiten wegwirft, hat ihre Beweise weggeworfen.
Im Kurs
20 Teile- Warum Versprecher keine Zufälle sindOben kostenlos
- Fehlleistungen auf dem Prüfstand
- Fehlleistungen: Vergessen und Verlegen
- Träume: die Schwierigkeiten
Fragen
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20 kurze Teile, die die wichtigsten Gedanken des Buchs in Slides durchgehen, jeder mit einem kurzen Quiz. Die ersten sechs Slides kannst du hier auf der Seite kostenlos ausprobieren.
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