Yoga-Sutras des Patanjali
trans. Charles Johnston · 1912
4,9 · 7 Bewertungen
Über das Buch
Vier kurze Bücher bestimmen Yoga als Stillstand der Bewegungen des Geistes – alles Weitere ist Kommentar. Johnston übersetzt jeden Lehrsatz und erklärt ihn dann wie in einem Brief an einen Schüler; so befreit er die Sutras aus ihrer gedrängten Kürze.
Probier den Kurzkurs
Teil 1 · Yoga bedeutet, den rastlosen Geist zu beruhigen. Die ersten sechs Slides, kostenlos.
1 / 6

Patanjali bringt das ganze Yoga in seinem zweiten Satz auf den Punkt. In Johnstons Übersetzung: „Vereinigung, geistiges Bewusstsein, wird durch die Beherrschung der wandelbaren psychischen Natur erlangt.“
Das ist das Programm, von Anfang bis Ende. Keine Liste von Haltungen, kein Glaubensbekenntnis zum Unterschreiben. Es gibt ein Ziel, die Vereinigung, und es gibt ein einziges Hindernis: den Teil von dir, der nicht stillhalten will.
Johnston sagt es unverblümt. Nichts als der „hartnäckige Widerstand“ dieser Natur trennt uns vom Ziel. Kein Pech, kein fehlendes Talent, kein falscher Lehrer. Alles, was in den vier Büchern folgt - die Ethik, der Atem, die Meditation -, ist eine Art, an genau diesem einen Widerstand zu arbeiten.
Die Vorschau als Text lesen
Patanjali bringt das ganze Yoga in seinem zweiten Satz auf den Punkt. In Johnstons Übersetzung: „Vereinigung, geistiges Bewusstsein, wird durch die Beherrschung der wandelbaren psychischen Natur erlangt.“
Das ist das Programm, von Anfang bis Ende. Keine Liste von Haltungen, kein Glaubensbekenntnis zum Unterschreiben. Es gibt ein Ziel, die Vereinigung, und es gibt ein einziges Hindernis: den Teil von dir, der nicht stillhalten will.
Johnston sagt es unverblümt. Nichts als der „hartnäckige Widerstand“ dieser Natur trennt uns vom Ziel. Kein Pech, kein fehlendes Talent, kein falscher Lehrer. Alles, was in den vier Büchern folgt – die Ethik, der Atem, die Meditation –, ist eine Art, an genau diesem einen Widerstand zu arbeiten.
Wir glauben, in unserem Körper zu leben. Johnston sagt, das stimmt nicht ganz. Seit sehr langer Zeit, schreibt er, spielt sich unser Leben eigentlich woanders ab: in dem, was der Geist aus den Dingen macht.
Stell dir einen gewöhnlichen Abend vor. Der Körper liegt auf dem Sofa. Du bist ganz woanders, spielst durch, was eine Kollegin gesagt hat, probst den nächsten Tag, wünschst dir etwas, fürchtest dich vor etwas. In dieser inneren Welt aus Erinnerungen, Hoffnungen, Ängsten und Bedauern verbringst du in Wirklichkeit den größten Teil des Tages.
Genau das nennt das Buch die psychische Natur. Sie ist der denkende und fühlende Mensch, aufgebaut aus den Bildern von allem Gesehenen und Gehörten und dann aus all den Wünschen, Vergleichen und Ambitionen, die diese Bilder hervorbringen.
Das Wort „psychisch“ bringt fast jeden modernen Leser ins Stolpern. Johnston, der 1912 schrieb, meint damit keine Séancen, Auren oder Gedankenlesen. Er meint die Psyche: den denkenden, fühlenden, bildererzeugenden Geist, den du den ganzen Tag benutzt.
„Wandelbar“ muss man auch richtig hören. Es bedeutet nicht begabt. Es bedeutet, sich zu drehen, zu verschieben, alle paar Sekunden eine neue Form anzunehmen. Eine Sorge wird zu einem Plan, der Plan wird zu einer Tagträumerei, die Tagträumerei wird zu Verärgerung darüber, dass der Plan sowieso nie funktionieren wird.
Der zweite Sutra verlangt also nicht, dass du ungewöhnliche Fähigkeiten entwickelst oder aufhörst zu fühlen. Er zeigt auf etwas viel Gewöhnlicheres: die rastlose, formwandelnde Aktivität, die schon läuft, während du diesen Satz liest. Und er verlangt, dass du die Zügel in die Hand nimmst.
Was ist in Johnstons Übersetzung die „wandelbare psychische Natur“, die laut Sutra I.2 beherrscht werden muss?
- Der physische Körper mit seinen Trieben und seiner Erschöpfung
- Das göttliche Bewusstsein, das die Seele sucht
- Der rastlose, denkende, fühlende und bilderzeugende GeistRichtige Antwort
- Verborgene übersinnliche Fähigkeiten, die durch die Praxis erwachen
Für Johnston bedeutet „psychisch“ schlicht die geistig-emotionale Natur, den Alltagsgeist. Es ist nicht der Körper, denn dort spiele sich, wie er sagt, unser Leben gar nicht wirklich ab, und es ist erst recht nicht das göttliche Bewusstsein, das ja das Ziel ist und nicht das Hindernis.
Johnston weigerte sich, diese Zeilen Aphorismen zu nennen. Ein Aphorismus, erklärt er, ist ein prägnanter Satz, der auf viele Situationen passt und sich mehr oder weniger von selbst beweist. Ein Sutra ist etwas anderes.
Das Wort stammt aus derselben Wurzel wie „nähen“ und bedeutet ein Faden, kein Sprichwort. Jeder Sutra ist ein Knoten in einer eng verwobenen Argumentationskette, und aus seinem Platz gelöst wird er „fast bedeutungslos“. Johnston vergleicht das Ganze mit Euklid: Man kann nicht einen Lehrsatz zitieren und die überspringen, die ihn beweisen.
Das ist wichtig dafür, wie du den zweiten Sutra liest. Für sich allein herausgegriffen klingt „beherrsche deinen Geist“ wie ein Kalenderspruch. An seinem Platz ist er der erste Lehrsatz eines Systems, und der Rest des Textes existiert, um zu zeigen, was diese Beherrschung ist und wie sie erreicht wird.
Johnston wählte das Wort „Sutra“, weil jeder einzelne ein in sich geschlossener Satz ist, dessen Wahrheit sich zeigt, egal wo man ihn zitiert.
FalschRichtige Antwort
Das ist seine Beschreibung eines Aphorismus, des Wortes, das er ablehnte. Ein Sutra ist ein Faden: Jeder hängt von seinem Platz in der Kette ab und bedeutet fast nichts, wenn man ihn herauslöst.
Im Kurs
12 Teile- «Yoga bändigt die wandelbare Psyche»Oben kostenlos
- Die Bewegungen des Geistes stillen
- Übung und Loslösung: zwei Hebel
- Hindernisse und ihre Symptome
Fragen
Kann ich Yoga-Sutras des Patanjali in Astra Trainer kostenlos lesen?
Ja. Das ganze Buch öffnet sich kostenlos im Reader der App, auf Englisch, Spanisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Polnisch, Portugiesisch und Russisch.
Was ist der Kurzkurs?
12 kurze Teile, die die wichtigsten Gedanken des Buchs in Slides durchgehen, jeder mit einem kurzen Quiz. Die ersten sechs Slides kannst du hier auf der Seite kostenlos ausprobieren.
Wo bekomme ich die App?
Astra Trainer ist kostenlos im App Store und bei Google Play. Yoga-Sutras des Patanjali wartet in der Bibliothek der App.







